Viel ist beim 1. FC Köln vom Neuanfang die Rede. Seit dem Frühjahr gibt es ein neues Präsidium, seit dem Sommer eine neue sportliche Leitung, im kommenden Jahr tritt mit Alexander Wehrle ein neuer Geschäftsführer die Nachfolge von Claus Horstmann an. Damit hat sich die Führungsriege des Vereins in wenigen Monaten komplett erneuert. Zudem hat das Präsidium es geschafft, binnen kürzester Zeit unter Einbeziehung der Mitglieder eine neue Satzung zu verabschieden.
Organisatorisch hat sich der Verein komplett neu erfunden und es wird gerne so getan, als habe er das auch fußballerisch. Immerhin haben zahlreiche ehemalige Leistungsträger den Verein verlassen und allerorten heißt es, der FC strebe mit einer jungen, engagierten Mannschaft eine bessere Zukunft an.
Nach mittlerweile 20 Pflichtspielen kann allerdings von jung und meist auch nicht von engagiert die Rede sein. Natürlich gab es Spiele, die mit hohem Einsatz gespielt wurden wie gegen Braunschweig, Kaiserslautern oder Dresden. Nur: die gab es in der letzten Saison auch. Und wie in der letzten Saison gab es auch dazwischen zu viele Spiele, in denen sich die Mannschaft versteckte.
Oder es gab Spiele wie in Stuttgart, in denen der FC eine Halbzeit verschlief, zweimal pennte und sich am Ende auf die Schultern klopfen ließ, weil man 45 Minuten Fußball gespielt hatte. Nun ist gegen ein Ausscheiden im Pokalachtelfinale bei einem Bundesligisten nicht zu meckern. Wären die Symptome nicht so typisch für die letzten Jahre des 1. FC Köln. Zu spätes Engagement, zu unpräzises Spiel – das kennen wir alles schon. Seit Jahren.
Hat sich also wirklich etwas geändert im Spiel des 1. FC Köln? Ach ja, der Verein setzt jetzt auf die Jugend und deren Entwicklung. Ich vergaß.
Nur: Tut er das? Spieler wie Clemens, Matuschyk, Chihi, Jajalo, Ujah, Strobl spielen nicht gerade ihre erste Profisaison und zumindest diejenigen unter diesen Spielern, die bereits länger beim 1. FC Köln unter Vertrag stehen, stagnieren. Christian Clemens hat seine drei bis vier Momente im Spieljahr, dazwischen döst er vor sich hin, Matuschyk ist und bleibt zu langsam für einen schnellen Spielaufbau, Chihi spielt engagiert, macht aber zu viele Fehler (dass er als einer der wenigen, die sich immer wieder was trauen, einen miserablen Stand bei den Fans hat, ist ein Thema – und Armutszeugnis – für sich). Seien wir ehrlich: diese Spieler werden sich aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mehr weiterentwickeln. Zumindest nicht beim 1. FC Köln.
Einen echten Sprung haben nur Torhüter Timo Horn und der neue linke Verteidiger Jonas Hector gemacht. Vor allem auf den zentralen Positionen in der Innenverteidigung, im defensiven wie offensiven Mittelfeld und im Sturm bietet die Mannschaft keinerlei Perspektive. Laufwunder Anthony Ujah wird den Verein Ende der Saison verlassen. Er passt auch besser zur aggressiven Spielweise Mainz’ als in die Kölner Dösigkeit. Jajalo dahinter führt mit Adam Matuschyk einen privaten Phlegma-Wettkampf (an dem sich auf der Außenbahn Christian Clemens beteiligt), weder Lehmann noch Strobl sind in der Lage das Spiel schnell zu machen. Fairerweise: Wie auch, wenn 7 bis 8 Spieler bei eigenem Ballbesitz hinter dem Ball bleiben?
Kurz: Der FC spielt genauso wie er das in den letzten Jahren schon gemacht hat: Umständlich, behäbig, unkonzentriert.
Aber hat er sich nicht nach schlechtem Start stabilisiert? Doch, das hat er. Wie in den Jahren zuvor auch. Nur lässt sich daraus keine Perspektive ableiten. Zumindest keine positive.